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Exkursion zu Leipziger Bibliotheken

Exkursion zu Leipziger Bibliotheken

Am 17. und 18. November 2005 besuchten acht Studierende des 7. Semesters und Prof. Dr. Jank drei Leipziger Bibliotheken.

Die Deutsche Bücherei Leipzig

 

Die Deutsche Bücherei Leipzig

Erste Reiseetappe war die Deutsche Bücherei Leipzig. Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum, in dem 12 Vollzeitkräfte (Wissenschaftler, Assistenzen, Bibliothekare) und 8 Teilzeitkräfte arbeiten, beschäftigt sich nicht nur wissenschaftlich mit dem Buch, sondern hält auch viele Exponate vor aus den Segmenten Papierkunst/Papiergeschichte und internationale Buch-/Schriftkunst . Es illuminiert anhand zahlreicher Exponate die technische Entwicklungsgeschichte und Findigkeit der Zunft. Ein Schwerpunkt der Dauerausstellung „Merkur und die Bücher – 500 Jahre Buchplatz Leipzig“ ist die Verbindung zur Stadt Leipzig als Produktions- und Handelsort. Besonders der rege Handel mit den in Fässern transportierten Gütern, die ortsansässigen Verlage wie Breitkopf, Reclam, Brockhaus und die Innovationen der Industrialisierung verhalfen Leipzig und der Buchmesse zu einer herausragenden Position.

Nach dem Besuch des Buchmuseums wurden wir noch durch die Deutsche Bücherei geführt. Neben dem beeindruckenden Zettelkatalog hat mich die große Zahl an Präsenznutzern überrascht. Wunderbar der Taumel durch den futuristisch anmutenden Verbindungstunnel zum Magazin und besonders die Nachbesprechung, in der uns viel Aufmerksamkeit seitens der Mitarbeiter zuteil wurde. Der besondere Blick hinter die Kulissen der Institution, die Reflektion Leipzig – Frankfurt am Main, Auskünfte über die Erwerbungspolitik, Pflichtexemplarrecht und Freundeskreis der DDB, das Bemühen um die Schaffung eines barrierefreien Webauftritts und der vitale Eindruck eines hellen, beseelten Hauses entließen uns fröhlich in die kalte Novembernacht.

 

Stadtbibliothek Leipzig

Stadtbibliothek Leipzig

Die Stadt Leipzig verfügt über ein Netz Öffentlicher (Stadtteil-) Bibliotheken (17 und eine Fahrbibliothek). Als Freund Öffentlicher Bibliotheken war ich von dem Haus sehr angetan: viel unsynthetisch Grün, zahlreiche Ausstellungsflächen, der verschachtelte Charakter des hellen Gebäudes und der leise Hauch von „Unfertigkeit“, der durch das Treppenhaus wehte, ließ mich staunen. Während die Belletristik und die Kinder- und Jugendliteratur in großen Bereichen aufgestellt und präsentiert werden, findet sich die Fachliteratur oft separiert in kleinen Einzelräumen. Dies mag für die Erstorientierung unglücklich erscheinen, schafft aber kleine autarke Arbeitsräume, die vom allgemeinen Benutzungsraum abgeschieden sind.

Die Bestandspräsentation ist sehr gelungen, so werden sowohl thematische Akzente gesetzt wie auf besondere Ereignisse Leipzigs reagiert. Aktuelle Angebote des Arbeitsamtes und großzügige Informationsauslagen heben die Bibliothek über die reine Bestandsbezogenheit hinaus. Darüber hinaus verfügt sie über zahlreiche OPACS und Computerarbeitsplätze, Schulungen für die Internet- und Katalognutzung werden regelmäßig angeboten.

Besonders schön war das oberste, zweite Stockwerk, in dem sich ein Mehrzweckraum (Oberlichtsaal) und ein großer Jugendbereich befinden. Beide Nutzungsebenen sind nicht streng voneinander separiert , sondern wirken sehr offen und einladend. Der bequem gestaltete Jugendbereich (16+) bietet ein buntes Angebot zwischen Sach- und Unterhaltungsliteratur, überdies

finden sich Informationsmaterialien zur Orientierung (Au-Pair, Praktikumsgesuche usw.)

Das wenig Strenge in den Möglichkeiten der Medienrezeption hat mir besonders gefallen.

 

In der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig

Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

In der Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig öffnete sich uns die älteste deutsche Institution (Gründung im Jahre 1894), die sich um die Informationsmittelversorgung für Sehbehinderte/Blinde bemüht. Hauptschwerpunkt der beeindruckenden Arbeit bildet die Aufarbeitung von Werken der Weltliteratur, wissenschaftlichen Arbeiten und Zeitschriften in Punktschrift - so staunten wir über eine schön gebundene Ausgabe des „Herrn der Ringe“ in fünfzehn Bänden. Überdies verfügt die Bibliothek auch über Musikalien in der Brailleschrift. Insgesamt hat die Bibliothek ca. 40.000 Titel in der Blindenschrift . Beeindruckend ist die jährliche Produktion von ca. 250 Punktschrifttiteln, die in den Werkstätten der DBZ selbstständig gefertigt werden. In allen Arbeitsprozessen der Bibliothek werden nach Möglichkeit Personen beschäftigt, die an einer Einschränkung der Sehkraft leiden. Rudimentäre Kenntnisse in der Brailleschrift sind überdies für alle Mitarbeiter unerlässlich. Ca. 2000 Titel des Bestandes werden zum Kauf angeboten.   

Nicht jeder der ca. 650.000 blinden/sehbehinderten Menschen in Deutschland beherrscht die Brailleschrift, die besondere Anforderungen an die Haptik stellt. Besonders Menschen, die erst im Alter ihr Augenlicht verlieren, können nur mit großer Mühe das System erlernen – diesem Problem trägt die Bücherei in weiteren Medienangeboten Rechnung. So werden bereits seit 1956 Hörbücher produziert und deutschlandweit versandt. Die heutige Produktion in der DZB ist  professionell. Die Sprecher nähern sich dem Stoff atmosphärisch, die Qualität ist ähnlich niveauvoll wie die von kommerziellen Lesungen. Des weiteren arbeitet man gerade an einem Formatwechsel vom Analogen zum Digitalen – nicht mehr allein Tonkassetten werden angeboten, sondern auch CD-ROMs im Mp3 Format, die jedoch ein spezielles Abspielgerät voraussetzen, das auch Blinde selbstständig bedienen können.

Darüber hinaus bietet die DZB zahlreiche Materialien in Reliefdruck. So finden sich Kalender, Bilderbücher, Land- und Straßenkarten im Sortiment, die durch starke Farbkontraste auch Sehbehinderte noch unterschiedliche Flächen wahrnehmen lassen. Großer Beliebtheit erfreut sich z. B. eine Straßenkarte Deutschlands mit den Autobahnen, auf denen der Beifahrer den Streckenverlauf nachvollziehen kann.

Mich haben das Engagement und die umfassende Informationspolitik sehr beeindruckt. Auch sensibilisiert der Gang durch das lebendige Haus für ein Phänomen, dem man im Alltag nicht notwendigerweise in dem Maß begegnet, das wünschenswert wäre – dem Umgang mit sehbehinderten Mitmenschen.

Johannes Weiß, Student

Letzte Änderung:  09.11.2006