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Die digitale Katastrophe

Die digitale Katastrophe

Was passiert mit unseren digital gespeicherten Daten in 5, 10 oder 100 Jahren? Wie lange kann man Daten auf einer CD oder DVD aufbewahren? Wohin verschwinden die Informationen aus dem Internet und wer kümmert sich darum, dass digital gespeichertes Wissen auch in 10 oder 100 Jahren noch zugänglich ist?Diese und andere Fragen stellen sich zu Beginn einer neuen Epoche, dem digitalen Zeitalter, deren unmittelbare Zeugen wir gerade sind. Das digitale Zeitalter bringt einen Wandel im Umgang mit Informationen mit sich, der mit der Erfindung des Buchdruckes vergleichbar ist. Ein technologischer Wandel der ungeahnte Möglichkeiten aber ebenso große Risiken mit sich bringt. An dieser Schwelle in ein neues Informationszeitalters verhalten wir uns aber gerade so, als würden von alldem nichts wahrhaben wollen. Experten warnen bereits heute vor einem schwarzen Informationsloch, dem vollständigen Verlust unserer gegenwärtigen geschichtlichen und kulturellen Identität. Tatsache ist, dass wir uns zur Zeit wenig darum kümmern, wie digitale Daten aufbewahrt und für spätere Generationen nutzbar gemacht werden können.

 

Das Problem beginnt bereits bei den digitalen Datenträgern. In den Forschungslabors arbeitet man zwar intensiv daran, wie man immer mehr Bits auf kleinstem Raum unterbringen kann, Fragen nach der Haltbarkeit und dem Alterungsverhalten der digitalen Medien, spielen dabei jedoch kaum eine Rolle. Im Ergebnis können wir zwar immer größere Mengen von Texten, Bildern, Musik oder Filmen speichern, riskieren dabei aber alles zu verlieren, falls der Datenträger eines Tages nicht mehr lesbar ist. Die scheinbar einfache Speicherung von digitalen Daten in Form von Bits hat einen entscheidenden Nachteil: digital gespeicherte Daten sind stets kodierte Daten, d.h. sie können nicht ohne technische Hilfsmittel, ohne Hard- und Software verstanden werden. Digitale Daten können nur mit einem speziellen Lesegerät gelesen und mit einem dazugehörigen Programm interpretiert werden. Bei dem raschen technologischen Wandel im IT-Bereich ein nahezu unlösbares Problem. Große Datenbestände auf veralteten Datenträgern, wie Loch- und Magnetbänder oder eine Reihe von Diskettenformaten (man denke nur an die beliebte flexible 5,25 Zoll-Diskette) sind heute bereits für immer verloren. Technisch gibt es zwar Lösungsansätze, z.B. den Erhalt alter Systeme (Hardwaremuseum) oder das regelmäßige Konvertieren der Daten auf neue Datenträger (Migration), beide Verfahren sind jedoch extrem kostenintensiv und in der Praxis kaum realisierbar.Was ist also zu tun ? Vor allem wer muß etwas tun?

 

Die Antwort liegt auf der Hand: Archive und Bibliotheken müssen in den nächsten Jahren auf diese Fragen Antworten geben und Lösungsansätze finden, um zu verhindern, daß es keine Überlieferungen aus einer (unserer) Zeit geben soll, die technologisch wahrhaft historischen Charakter hatte.Forscher und Visionäre der Long-Now-Foundation sehen als Alternative zu einem drohenden digitalen Datenverlust nur die Rückkehr zu analogen Medien. Nach dem Vorbild des bekannten Steins von Rosetta, mit dem es gelang die ägyptischen Hyroglyphen zu entschlüsseln, konstruierten sie eine Rosetta-Disk (Abbildung) mit deren Hilfe es möglich sein soll, Texte in unterschiedlichen Sprachen für mehrere tausend Jahre zu archivieren.Diese und andere spannende Themen sind Gegenstand des Studiums der Informationswissenschaften und des Moduls “Archive in der Informationsgesellschaft“ der Archivweiterbildung “Management in Archiven“

 

Prof. Dr. Rolf Däßler

Letzte Änderung:  09.11.2006