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76. Deutscher Archivtag in Essen

76. Deutscher Archivtag: Die Öffentlichkeit in Archiven – Archive in der Öffentlichkeit?

ArchivarInnen, Initiativen und öffentliche Auffassungen.

 

Mit dem diesjährigen 76. Deutschen Archivtag, der durch den „Verein Deutscher Archivarinnen und Archivare“ (VdA) zusammen mit der Fachmesse „Archivistica“ organisiert wurde und in Essen stattfand, richtete sich der Blick auf Archive und Öffentlichkeit. Vom 26.- 29. September 2006 referierten und diskutierten ArchivarInnen zur Transparenz der Archive in der Öffentlichkeit und den Einsatz neuer multimedialer Möglichkeiten.

Längst haben ArchivarInnen erkannt, dass sich Historische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit als ein fester Bestandteil neben der Erschließung etabliert haben und nicht länger ignoriert werden können. Der überwiegende Teil der großen und kleinen Archive setzt u. a. gezielt auf das Internet, Kooperationen, externe und interne Öffentlichkeitsarbeit sowie zielgruppenorientierte Bildungsangebote für alle Bevölkerungsschichten.

 

Studierende aus dem Fachbereich 5

Der Studiengang Archiv des Fachbereichs Archiv-Bibliothek-Dokumentation bietet hierzu exzellente Studien- und Weiterbildungsmöglichkeiten an. Prof. Dr. Susanne Freund manifestiert zzt. das Lehrgebiet Historische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit als festen Bestand der Lehre. Auf der Fachmesse präsentierte sich die FHP mit einem Info-Stand, der eine hervorragende Außenwirkung hatte und mit großem Interesse angenommen wurde. Es wurde umfassendes Material zu Studiengang und Fernweiterbildung zur Verfügung gestellt, begleitet von einer Diashow mit Bildern von der Fachhochschule und der Stadt Potsdam. Weiterhin veranschaulichten Landkarten von Deutschland und Europa die Verteilung der AbsolventInnen, PraktikantInnen und KooperationspartnerInnen und zogen (ganz im Sinne der Öffentlichkeitsarbeit) zusätzlich InteressentInnen an. Die studentische Arbeitsgruppe, bestehend aus Sebastian Post (3. Sem. Archiv), Christine Sander (3. Sem. Archiv), Donald Wagner (3. Sem. Archiv) und Simone Stumpe (7. Sem. Archiv), profitierte gleichzeitig von vereinzelten Veranstaltungen, die abwechselnd besucht wurden. Erste positive Eindrücke gewannen sie in der Veranstaltung des „Arbeitskreises Archivpädagogik und Historische Bildungsarbeit“. Umsetzung und Präsentation reichten von einem szenischen Rollenspiel zwischen Benutzer und Archivar, über einen theoretischen Ansatz zur effektiven Öffentlichkeitsarbeit bis hin zu einem praxisnahen Beispiel. Durch eine abschließende Diskussionsrunde konnten letzte Auffassungen, wie die unabdingbare Notwendigkeit der aktiven Öffentlichkeitsarbeit, ausgetauscht werden.

 

Die Sektionssitzung III: Netz als „Öffentlichkeit“ beinhaltete zwei spannende praxisorientierte Initiativen; das von Tom Sello vorgestellte Projekt „Jugendopposition in der DDR. Geschichte im Internet“ und das von Christine Gohsmann international orientierte Dissertationsprojekt „Radio, CD-ROM und Internet – gleichberechtigte Marketinginstrumente eines NGO-Archivprojektes in Südafrika“. Beide Vorträge spiegeln die aktive Beteiligung an der Öffentlichkeit wider, die im Unterschied zur allgemeinen Bereitstellung von Unterlagen aus einem spezifischen Grund heraus entstanden sind. So gestaltete die Havemann-Gesellschaft in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung eine Internetseite über die Jugendopposition in der DDR, die durch Anfragen von LehrerInnen ins Leben gerufen wurde. Diese Seite gewann neben sechs weiteren Webseiten den „Grimme Online Award 2005“, der für publizistische Qualität im Netz verliehen wird. Im Anschluss präsentierte Frau Gohsmann das NGO-Archivprojekt in Südafrika und wagte als einzige Referentin den Schritt in die Internationale Vernetzung und den Informationsaustausch. Das Online-Archivprojekt „South African Labour History Project“ (SALHP) ermöglicht die Digitalisierung von Dokumenten zur Geschichte der Arbeiterbewegung sowie von international verbreiteten Archivbeständen und Nachlässen von Persönlichkeiten und Organisationen aus Südafrika. Dadurch wird deutlich, dass Öffentlichkeitsarbeit nicht nur im nationalen sondern auch im internationalen Sinne relevanter und aktueller ist als je zuvor. Denn es besteht in der Archivwelt längst Konsens darüber, dass mangelnde Öffentlichkeitsarbeit Einsparungen zur Folge hat, die zwangsläufig auch die Erfüllung der Kernaufgaben erschweren wird.

 

5. Oktober 2006, Simone Stumpe, Studentin des 7. Semesters Archiv und Prof. Dr. phil. Susanne Freund

Letzte Änderung:  09.11.2006