Tagung „Interkulturelle Bibliotheksarbeit“ an der FU Berlin
Die Projektgruppe „Bibliothek pro Integration“ besuchte am 25. April 2007 eine interessante Tagung zu einem aktuellen politischen Thema
Unter dem Thema „Interkulturelle Bibliotheksarbeit: Konzepte - Erfahrungen - Perspektiven“ fand am 25. April 2007 eine internationale Fachtagung im Weiterbildungszentrum der Freien Universität zu Berlin statt. Die Tagung, die sich vor allem an Bibliothekare und Bibliothekarinnen aus Öffentlichen Bibliotheken richtete, beschäftigte sich mit national und international erprobten Konzepten der interkulturellen bibliothekarischen Arbeit und verfolgte das Ziel, diese Arbeit in den Kommunen nachhaltig zu fördern, neue Konzepte anzuregen und die Öffentlichen Bibliotheken als attraktive Bildungsorte auch für Migrantengruppen ins Bewusstsein zu heben. Denn das Kernproblem ist, dass es zwar Angebote für Menschen mit Migrationshintergrund gibt, diese aber aus Unwissenheit und Schwellenängsten nicht gut genutzt werden.
Nach der Eröffnung durch Dr. Rolf Busch, den Mitinitiator der Tagung, führten Prof. Ragnar Audunson vom Oslo University College und Dr. Volker Pirsich, Vorsitzender der Expertengruppe „Interkulturelle Bibliotheksarbeit“ im DBV (http://www.bibliotheksverband.de/ex-interkulturell/index.html) durch ihre Vorträge kurz in die Thematik ein. Nach einer Pause, in der ein Informationsaustausch mit den anderen Teilnehmern möglich war, folgten vier Workshops, die sich mit den Themen „Migranten in Deutschland“ und „Migranten in anderen Ländern“ auseinandersetzten.
In einem der Workshops zu „Migranten in Deutschland“ stellte Birgit Lotz das Projekt „Die Internationale Bibliothek“ vor, das sich im Rahmen der interkulturellen Bibliotheksarbeit der Stadtteilbibliothek Gallus der Stadtbücherei Frankfurt am Main bewegt. Das Konzept soll erwachsene, neu zugezogene Migranten erreichen und hat das Ziel, diese mit bestimmten Angeboten in das gesellschaftliche Leben in Deutschland zu integrieren.
In einem Workshop, der von Bibliothekarinnen aus Österreich und der Schweiz durchgeführt wurde, stellte sich heraus, dass diese Länder die gleichen Probleme wie Deutschland auf dem Gebiet der Bibliotheksarbeit mit Migranten und Migrantinnen haben. Ein Lösungsansatz ist die „Bibliomedia“ in der Schweiz, die flächendeckend ihren Bestand fremdsprachiger Literatur zur Ergänzung lokaler Bibliotheken bereitstellt.
Malte Christopher Boecker, Projektmanager bei der Bertelsmann-Stiftung, erläuterte nach der Mittagspause, dass die interkulturelle Kompetenz als Schlüsselqualifikation eine hohe Bedeutung einnimmt. Anhand von beispielhaften Konflikten der letzten vierzig Jahre zwischen der europäischen Kultur und außereuropäischen Kulturen verdeutlichte er die wichtige Funktion der interkulturellen Kompetenz.
Am Nachmittag folgte ein zweiter Themenblock, der sich mit Konzepten, Rahmenbedingungen und Perspektiven auseinandersetzte. Einer der Workshops befasste sich mit der interkulturellen Kompetenz für Bibliothekar/innen. Die Diplom-Psychologin Friederike Haar führte mit den Teilnehmern Praxisübungen in Form von Rollenspielen durch, in denen die Bibliothekare mit Konfliktsituationen mit Migranten konfrontiert wurden. Ein weiterer Workshop versuchte die Erwartungen von Migrantengruppen an die Bibliotheksarbeit näher zu bestimmen.
Ein besonderes Highlight war die Videokonferenz mit drei Bibliothekarinnen der Toronto Public Library. So war es möglich, mit den kanadischen Bibliothekarinnen über das Thema „Bridging Cultures - Toronto Public Library’s Services and Programs to a Diverse Population“ zu diskutieren und neue Erfahrungen aus der kanadischen Bibliothekswelt zu erlangen.
Bei der abschließenden Diskussion, geleitet von Dr. Rolf Busch, wurden die neu gewonnenen Erkenntnisse zusammengetragen.
Für uns wurde klar, dass mit Hilfe von gezielten Werbemaßnahmen auf Projekte und Angebote hingewiesen werden sollte, um so den Migranten die Bibliothek als Lernort näher zu bringen.
Im Rahmen des Projektes „Bibliothek pro Integration“ bei Frau Prof. Dr. Dagmar Jank nahmen vier Studentinnen des sechsten Semesters, Janine Brüggen, Franziska Hörold, Dörte Klempert und Melanie Topphoff, an dieser Tagung teil. Dieses Projekt befasst sich mit der Integration und Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in einer Stadtteilbibliothek der Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg.
Janine Brüggen, Franziska Hörold, Dörte Klempert,
Studentinnen des 6. Semesters Bibliothek
Mai 2007
Letzte Änderung: 16.05.2007
